Ev. Kirchengemeinden Rheinböllen und Dichtelbach

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Neues vom Haus am Guldenbach


Liebe Gemeindeglieder!
„Ihr schmeißt die Schmiedelkinder raus und setzt uns da Asylanten rein!“ So oder ähnlich sind wir als Presbyterium in den vergangenen Wochen angegangen worden, zum Teil waren die Äußerungen so heftig, dass ich sie hier nicht wiederholen möchte. Aber bei allen Gerüchten, die im Raum stehen, tun ein paar Informationen sicherlich gut.

Das ehemalige Pfarrhaus am Guldenbach, seit vielen Jahren dem Schmiedel vermietet, ist in den vergangenen Jahren für die Presbyter, die sich mit großem Zeitaufwand ehrenamtlich um alles gekümmert haben, zu einer großen Belastung geworden. Von Seiten der Bewohner war eine lange Wunschliste an baulichen Veränderungen vorgelegt worden, ein energetisches Gutachten ergab einen Sanierungsbedarf von 160.000,- € in den nächsten Jahren. Diese Summe überstieg unsere Rücklage für das Haus bei weitem und wäre auch durch Mieterhöhungen auf mittelfristige Sicht nicht wieder reinzuholen gewesen.

Zudem stehen in den nächsten Jahren bauliche Sanierungs- und Renovierungs-Maßnahmen an Kirche und Gemeindehaus an, die erheblichen finanziellen und personellen Aufwand erfordern.
Deshalb wurde dem Schmiedel vorsorglich zum 30. September 2015 gekündigt (1-jährige Kündigungsfrist) und ein Verkauf des Hauses und des Gesamtgrundstückes ins Auge gefasst. Dies wurde dem Schmiedelvorstand persönlich mitgeteilt, und auch ein erstes Angebot für das Gesamtgrundstück unterbreitet, das aus Kostengründen abgelehnt wurde.

In der Folge kam es zu einer Vielzahl von Interessenten, sowohl am eigentlichen Haus, als auch an dem davor liegenden Grundstück, aus dem sicherlich 1-2 Bauplätze werden könnten.
Dann kam die Anfrage der Verbandsgemeinde, ob wir das Haus zur Unterbringung von Flüchtlingen vermieten würden.
Auf der Gemeindeversammlung am 22. Februar 2015 wurde dies alles der Gemeinde vorgestellt und lebhaft und auch kontrovers darüber diskutiert. Aus der Gemeindeversammlung hat das Presbyterium folgende Konsequenzen gezogen:
-    Die finanzielle und personelle Belastung durch das Haus am Guldenbach ist für die Zukunft nicht mehr tragbar, was für einen Verkauf spricht.
-    Es gibt keinen zwingenden Grund, die Baugrundstücke mit zu verkaufen, da die nur geringen Aufwand verursachen.
-    Wenn es einen hohen Bedarf an Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge in unserer Verbandsgemeinde gibt, ist es auch unsere Aufgabe, gute  Möglichkeiten zu schaffen, deshalb wurde allen anderen Interessenten abgesagt und das Gespräch mit der Stadt aufgenommen.
-    Zeitgleich wurde auch dem Schmiedel noch einmal dasselbe Verkaufsangebot gemacht. Dies wurde abgelehnt.



Zur Zeit sind die Vertragsverhandlungen in den letzten Zügen und das Haus wird zum 1. Oktober 2015 in die Hände der Stadt übergehen. Das vordere Grundstück bleibt bei der Kirchengemeinde, die Stadt erhält im Falle einer späteren Veräußerung ein Vorkaufsrecht.

Da die Schmiedelgruppe den Umzug aus organisatorischen Gründen noch etwas hinauszögern musste, war die Stadt  - trotz erheblichen Drucks, möglichst schnell Unterkünfte zur Verfügung zu stellen – bereit, dem Schmiedel noch einen Aufschub zu gewährleisten. Wir haben Frau Oberthür hier als eine sehr faire und verlässliche Verhandlungspartnerin erlebt, die uns auch immer wieder zugesichert hat, dass an diesem Ort keine zusätzlichen Container aufgestellt werden.
Letzteres ist gerüchtemäßig immer wieder im Umlauf und wird wohl auch benutzt, um Stimmung gegen Menschen auf der Flucht zu schüren.

Wir haben zur Zeit in Deutschland und Europa eine riesige Herausforderung vor uns. Dies wird selbstverständlich auch uns in Rheinböllen und Dichtelbach betreffen.
Aber ich bin zuversichtlich, dass wir für einen menschlichen Umgang mit Flüchtlingen sorgen können, auch wenn dies neben einem offenen Herzen auch vernünftige Sachlichkeit, gute Organisation, Pragmatismus und einen langen Atem braucht.
Ich bitte Sie herzlich, unsere Bürgermeisterin, die Stadt und die Verbandsgemeinde bei der Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten und bei der Begleitung der Ankommenden zu unterstützen.

So wahr es ist, dass wir nicht jeden aufnehmen können, so wahr ist es auch, dass jeder, der kommt, zu nächst einmal ein Mensch ist, und dass Integration nicht nur eine Einbahnstraße ist, sondern auch sehr davon abhängt, wie wir auf Fremde zugehen.

Gut verstehen kann ich, wenn manche Nachbarn sorgen haben, wie das wohl mit den neuen Nachbarn wird. Das ist bei jedem Umzug so, in diesem Fall sicherlich noch stärker.
Gut verstehen kann ich, wenn manche Nachbarn den vertrauten „Schmiedelkindern“ nachtrauern. Das berührt mich sehr.
Und es macht mich zuversichtlich, weil ich weiß, dass auch die „Schmiedelkinder“ vor vielen Jahren sehr misstrauisch beäugt wurden. Gute Nachbarschaft kann sich also auch trotz anfänglichen Vorbehalten entwickeln.
Daran lasst uns gemeinsam arbeiten!

Ihr Wolfgang Jöst


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